Angst gehört zum Leben. Sie warnt uns vor Gefahren, macht uns aufmerksam und hilft uns, in bedrohlichen Situationen angemessen zu reagieren.
Doch Angst kann sich verselbstständigen.
Manche Menschen machen sich ständig Sorgen, obwohl objektiv keine unmittelbare Gefahr besteht. Andere erleben plötzlich Herzrasen, Atemnot oder Schwindel und fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Wieder andere beginnen, bestimmte Orte, Situationen oder soziale Kontakte zu vermeiden, weil sie Angst davor haben, was dort passieren könnte.
Wenn Ängste über längere Zeit bestehen, immer mehr Raum einnehmen und den Alltag oder die Lebensqualität beeinträchtigen, kann eine Angststörung dahinterstehen.
In meiner Praxis in 1180 Wien begleite ich Menschen mit Angststörungen, Panikattacken und anhaltenden Ängsten. Im Rahmen einer Psychotherapie kann es darum gehen, die Angst und ihre individuellen Hintergründe besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang damit zu entwickeln.
Wann wird Angst zur Angststörung?
Nicht jede starke Angst ist eine psychische Erkrankung.
Vor einer wichtigen Prüfung nervös zu sein, sich vor einer medizinischen Untersuchung zu fürchten oder in einer tatsächlich gefährlichen Situation Angst zu empfinden, ist völlig normal.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob wir Angst haben, sondern wann, wie häufig und wie stark sie auftritt – und welche Auswirkungen sie auf unser Leben hat.
Hinweise auf eine problematische Angst können beispielsweise sein:
- Ängste treten ohne erkennbare oder angemessene Gefahr auf,
- die Angst ist im Verhältnis zur Situation sehr stark,
- Sorgen lassen sich kaum noch abschalten,
- bestimmte Situationen werden zunehmend vermieden,
- es entsteht Angst vor einer erneuten Angstreaktion,
- berufliches oder privates Leben wird eingeschränkt,
- ein erheblicher Teil des Alltags dreht sich darum, Angst zu verhindern.
Manche Betroffene wissen selbst, dass ihre Angst übermäßig erscheint. Trotzdem können sie sie nicht einfach abstellen.
Welche Symptome können bei Angststörungen auftreten?
Angst findet nicht nur im Kopf statt.
Unser Körper reagiert auf eine wahrgenommene Gefahr mit einem komplexen Alarmprogramm. Deshalb können Angststörungen mit sehr deutlichen körperlichen Beschwerden verbunden sein.
Psychische Symptome
Möglich sind unter anderem:
- starke Sorgen und Befürchtungen,
- innere Unruhe,
- Nervosität,
- Konzentrationsprobleme,
- Reizbarkeit,
- das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren,
- ständige Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren könnte,
- Schwierigkeiten, sich zu entspannen.
Körperliche Symptome
Angst kann sich beispielsweise äußern durch:
- Herzrasen oder Herzklopfen,
- Atemnot,
- Engegefühl in der Brust,
- Schwindel,
- Zittern,
- Schwitzen,
- Übelkeit,
- Magen-Darm-Beschwerden,
- Muskelverspannungen,
- Schlafstörungen.
Gerade starke körperliche Symptome können sehr beängstigend sein. Manche Menschen vermuten zunächst eine körperliche Erkrankung.
Körperliche Beschwerden sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. Sind organische Ursachen ausgeschlossen, kann es sinnvoll sein, auch psychische Zusammenhänge zu berücksichtigen.
Welche Formen von Angststörungen gibt es?
Angststörungen können sich sehr unterschiedlich zeigen. Nicht jeder Mensch erlebt Angst auf dieselbe Weise.
Generalisierte Angststörung
Bei einer generalisierten Angststörung stehen anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen im Vordergrund.
Die Gedanken kreisen beispielsweise um die eigene Gesundheit, Angehörige, Arbeit, finanzielle Fragen, Beziehungen oder mögliche zukünftige Probleme.
Kaum ist eine Sorge verschwunden, entsteht bereits die nächste.
Viele Betroffene beschreiben es so:
„Ich kann meine Gedanken einfach nicht abschalten.“
Auch in eigentlich ruhigen Situationen bleibt das Gefühl bestehen, dass etwas passieren könnte.
Panikstörung und Panikattacken
Eine Panikattacke kann sehr plötzlich auftreten.
Innerhalb kurzer Zeit entstehen intensive Angst und oftmals starke körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Zittern.
Viele Betroffene glauben bei ihrer ersten Panikattacke, sie hätten einen Herzinfarkt, würden ohnmächtig oder verlören die Kontrolle ( „Wie fühlt sich eine Panikattacke an?“).
Nach einer solchen Erfahrung entsteht häufig eine weitere Angst:
„Was ist, wenn das wieder passiert?“
Diese sogenannte Erwartungsangst kann dazu führen, dass Situationen zunehmend vermieden werden.
Agoraphobie
Bei einer Agoraphobie besteht Angst vor Situationen, in denen eine Flucht schwierig erscheinen oder im Falle starker Angst möglicherweise keine schnelle Hilfe verfügbar sein könnte.
Das kann beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel, große Plätze, Menschenmengen, Einkaufszentren oder längere Wege von zu Hause betreffen.
Manche Betroffene verlassen schließlich bestimmte vertraute Bereiche nur noch in Begleitung.
Soziale Ängste
Bei sozialen Ängsten stehen häufig Befürchtungen im Mittelpunkt, von anderen Menschen negativ beurteilt, kritisiert oder bloßgestellt zu werden.
Das kann dazu führen, dass Betroffene beispielsweise
- Gespräche mit fremden Menschen vermeiden,
- nicht vor anderen sprechen möchten,
- gesellschaftliche Veranstaltungen meiden,
- berufliche Präsentationen als extrem belastend erleben.
Auch hier kann Vermeidung kurzfristig Erleichterung bringen, langfristig die Angst jedoch weiter festigen.
Spezifische Phobien
Bei einer spezifischen Phobie richtet sich die starke Angst auf bestimmte Situationen oder Objekte.
Das können beispielsweise Tiere, Höhen, Flugreisen, medizinische Eingriffe oder andere konkrete Auslöser sein.
Entscheidend ist auch hier, wie stark die Angst das Leben beeinträchtigt.
Angst vor der Angst – wenn Vermeidung beginnt
Einer der wichtigsten Mechanismen bei Angststörungen ist das Vermeidungsverhalten.
Wer beispielsweise während einer U-Bahn-Fahrt eine Panikattacke erlebt hat, fährt beim nächsten Mal vielleicht mit dem Auto.
Die unmittelbare Folge:
Die Angst verschwindet.
Das fühlt sich zunächst gut an.
Langfristig kann das Gehirn daraus jedoch lernen:
„Gut, dass ich die U-Bahn vermieden habe – dort wäre vielleicht wirklich etwas passiert.“
Die vermeintliche Gefahr wird nicht überprüft. Dadurch kann die Angst bestehen bleiben.
Mit der Zeit werden möglicherweise immer mehr Situationen vermieden.
Aus der Angst vor einer bestimmten Situation wird schließlich die Angst vor der Angst selbst.
Der persönliche Bewegungsradius kann dadurch immer kleiner werden.
„Warum vermeiden wir bestimmte Situationen? – Wenn Angst den Alltag bestimmt“
Warum entstehen Angststörungen?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Angststörungen können durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren entstehen.
Aktuelle Belastungen können ebenso eine Rolle spielen wie frühere Erfahrungen, Beziehungen, innere Konflikte oder bestimmte Muster im Umgang mit Unsicherheit und Kontrolle.
Für manche Menschen ist beispielsweise das Gefühl besonders schwer auszuhalten, eine Situation nicht kontrollieren zu können.
Andere haben möglicherweise gelernt, Gefahren besonders aufmerksam wahrzunehmen oder eigene Bedürfnisse und Gefühle zurückzustellen.
In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie kann deshalb nicht nur die Frage wichtig sein:
„Wie bekomme ich meine Angst weg?“
Sondern auch:
„Warum entsteht gerade bei mir diese Angst – und welche Bedeutung könnte sie haben?“
Die individuelle Lebensgeschichte und die persönliche Situation stehen dabei im Mittelpunkt.
Warum helfen Sätze wie „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ meistens nicht?
Angehörige möchten häufig helfen und versuchen, Betroffene zu beruhigen:
„Es passiert doch nichts.“
„Du musst dich einfach überwinden.“
„Denk nicht so viel darüber nach.“
Das Problem: Angst lässt sich nicht einfach durch Vernunft abschalten.
Ein Mensch kann rational genau wissen, dass beispielsweise eine U-Bahn-Fahrt ungefährlich ist – und trotzdem mit Herzrasen und massiver Angst reagieren.
Auch Menschen mit einer generalisierten Angststörung wissen häufig, dass ihre Sorgen übermäßig sind.
Die Angst ist deshalb nicht eingebildet.
Entscheidend ist vielmehr, zu verstehen, welche Mechanismen sie auslösen und aufrechterhalten.
Angststörungen und Depressionen
Anhaltende Ängste können sehr erschöpfend sein.
Wer ständig Gefahren erwartet, sich zurückzieht oder zunehmend Aktivitäten vermeidet, kann im Laufe der Zeit zusätzlich depressive Beschwerden entwickeln.
Umgekehrt können Ängste auch im Rahmen einer Depression auftreten.
Die Beschwerden lassen sich deshalb nicht immer eindeutig voneinander trennen.
Eine individuelle fachliche Einschätzung ist sinnvoller als eine Selbstdiagnose anhand einzelner Symptome.
Wann sollte ich wegen meiner Ängste Hilfe suchen?
Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, ab dem jemand „genug“ leiden muss, um Unterstützung in Anspruch nehmen zu dürfen.
Ein psychotherapeutisches Gespräch kann insbesondere sinnvoll sein, wenn
- Ängste über längere Zeit bestehen,
- Sie Situationen aus Angst vermeiden,
- Sorgen einen großen Teil Ihres Tages bestimmen,
- Panikattacken auftreten,
- Sie ständig Angst vor der nächsten Attacke haben,
- Schlaf, Beruf oder Beziehungen beeinträchtigt werden,
- Ihr persönlicher Bewegungsradius immer kleiner wird,
- Sie sich durch Ihre Ängste zunehmend eingeschränkt fühlen.
Sie müssen nicht warten, bis die Angst Ihr gesamtes Leben bestimmt.
Wann sollte ich eine Psychotherapie beginnen? Auf die ersten Warnsignale hören
Psychotherapie bei Angststörungen
In einer Psychotherapie können Ängste zunächst in einem geschützten Rahmen genauer betrachtet werden.
Dabei können beispielsweise folgende Fragen eine Rolle spielen:
Warum tritt die Angst gerade in bestimmten Situationen auf?
Welche Gedanken und Gefühle sind damit verbunden?
Welche Erfahrungen könnten eine Rolle spielen?
Welche Situationen werden vermieden?
Welche Funktion haben Kontrolle und Sicherheit?
Welche inneren Konflikte oder wiederkehrenden Beziehungsmuster stehen möglicherweise mit der Angst in Verbindung?
Im Rahmen einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie kann es darum gehen, nicht nur das unmittelbar sichtbare Symptom zu betrachten, sondern auch dessen mögliche unbewusste Zusammenhänge besser zu verstehen.
Das Ziel ist nicht, nie wieder Angst zu empfinden.
Angst gehört zum menschlichen Leben.
Vielmehr kann es darum gehen, dass die Angst nicht länger bestimmt, was Sie tun, wohin Sie gehen oder wie Sie Ihr Leben gestalten können.
Psychotherapie bei Angststörungen in Wien 1180
Meine Praxis befindet sich in 1180 Wien-Währing.
Als Psychotherapeutin in Wien begleite ich Menschen, die unter Angststörungen, Panikattacken, anhaltenden Sorgen oder anderen psychischen Belastungen leiden.
In einem ersten Gespräch können wir gemeinsam betrachten, was Sie derzeit belastet und ob eine Psychotherapie für Ihre persönliche Situation geeignet sein könnte.
Sie müssen vor diesem Gespräch weder genau wissen, welche Form der Angststörung möglicherweise vorliegt, noch eine fertige Diagnose mitbringen.
Manche Menschen suchen zunächst im Internet nach einem Psychologen für Angststörungen oder einem Psychologen bei Panikattacken, obwohl sie eigentlich psychotherapeutische Unterstützung suchen. Psychologinnen bzw. Psychologen und Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten sind unterschiedliche Berufsgruppen.
Wenn Sie unsicher sind, welche Form professioneller Unterstützung Sie benötigen, finden Sie dazu weitere Informationen in meinem Beitrag:
„Psychologe, Psychotherapeut oder Psychiater – an wen soll ich mich wenden?“
Was kann ich selbst bei Ängsten tun?
Der Umgang mit Angst ist individuell und hängt auch von Art und Ausprägung der Beschwerden ab.
Grundsätzlich kann es hilfreich sein, zunächst wahrzunehmen, wie sehr das eigene Verhalten bereits von der Angst bestimmt wird.
Fragen Sie sich beispielsweise:
- Welche Situationen vermeide ich inzwischen?
- Was würde ich eigentlich gerne tun, traue mich aber aufgrund meiner Angst nicht?
- Wie häufig suche ich bei anderen nach Rückversicherung?
- Wie viel Zeit verbringe ich damit, mögliche Gefahren gedanklich durchzuspielen?
- Hat sich mein Leben in den vergangenen Monaten aufgrund meiner Ängste verändert?
Diese Fragen ersetzen keine professionelle Abklärung. Sie können jedoch dabei helfen, das Ausmaß der eigenen Belastung bewusster wahrzunehmen.
Häufige Fragen zu Angststörungen
Wann spricht man von einer Angststörung?
Nicht jede Angst ist krankhaft. Wenn Ängste jedoch übermäßig stark sind, über längere Zeit bestehen, zu Vermeidungsverhalten führen oder den Alltag und die Lebensqualität deutlich einschränken, kann eine Angststörung vorliegen.
Welche körperlichen Symptome können Angststörungen verursachen?
Unter anderem können Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen, Schlafprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Körperliche Symptome sollten medizinisch abgeklärt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Angststörung und Panikattacke?
Eine Panikattacke bezeichnet eine plötzlich auftretende Episode intensiver Angst mit häufig ausgeprägten körperlichen Symptomen. Panikattacken können unter anderem im Rahmen einer Panikstörung auftreten. Angststörungen umfassen verschiedene Krankheitsbilder.
Was ist eine generalisierte Angststörung?
Bei einer generalisierten Angststörung stehen übermäßige und schwer kontrollierbare Sorgen über verschiedene Lebensbereiche im Vordergrund. Betroffene beschreiben häufig, dass ihre Gedanken kaum noch zur Ruhe kommen.
Warum vermeide ich Situationen, vor denen ich Angst habe?
Vermeidung senkt die Angst kurzfristig. Gerade diese Erleichterung kann jedoch dazu beitragen, dass das Vermeidungsverhalten aufrechterhalten wird und sich die Angst langfristig weiter festigt.
Kann Psychotherapie bei Angststörungen helfen?
Ja. Psychotherapie ist eine etablierte Behandlungsmöglichkeit bei Angststörungen. Welche Vorgehensweise im individuellen Fall geeignet ist, hängt unter anderem von der Art der Beschwerden und der persönlichen Situation ab.
Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn Ängste, Sorgen oder Panikattacken über längere Zeit bestehen oder Ihr berufliches, soziales oder privates Leben zunehmend einschränken, ist es sinnvoll, professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen.
Weiterführende Beiträge zu Angst und Panik
Wann werden Ängste krankhaft? Normale Sorgen oder Angststörung?
Wie fühlt sich eine Panikattacke an? Symptome verstehen und richtig einordnen
Warum vermeiden wir bestimmte Situationen? – Wenn Angst den Alltag bestimmt
Generalisierte Angststörung – wenn die Sorgen nicht mehr aufhören
Erstgespräch vereinbaren
Wenn Ängste, Sorgen oder Panikattacken Ihren Alltag zunehmend bestimmen und Sie sich Unterstützung wünschen, können wir Ihre Situation in einem ersten Gespräch gemeinsam betrachten.
Mag. Sarah Rubenthaler BA.pth.
Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin
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