„Was ist, wenn etwas passiert?“

„Was, wenn ich krank werde?“

„Was, wenn ich meinen Arbeitsplatz verliere?“

„Was, wenn meinen Kindern etwas zustößt?“

Jeder Mensch macht sich Sorgen. Sie gehören zu unserem Leben und können sogar hilfreich sein: Wir denken über mögliche Probleme nach, treffen Vorsichtsmaßnahmen und bereiten uns auf schwierige Situationen vor.

Doch bei manchen Menschen kommen die Sorgen nicht mehr zur Ruhe.

Kaum ist ein Problem gelöst, taucht das nächste auf. Selbst wenn objektiv alles in Ordnung scheint, bleibt das Gefühl:

„Irgendetwas könnte passieren.“

Wenn Ängste und Sorgen über längere Zeit viele verschiedene Lebensbereiche betreffen und kaum noch kontrollierbar erscheinen, kann eine generalisierte Angststörung dahinterstehen.


Sorgen sind zunächst etwas ganz Normales

Ein wichtiger Termin steht bevor.

Ein Familienmitglied ist krank.

Im Beruf gibt es Veränderungen.

In solchen Situationen ist es völlig normal, sich Gedanken zu machen.

Meist beziehen sich diese Sorgen auf einen konkreten Anlass. Verändert sich die Situation, lässt auch die Sorge wieder nach.

Bei einer generalisierten Angststörung ist das häufig anders.

Die Sorgen können von einem Thema zum nächsten wandern und sehr viel Zeit und Energie beanspruchen.

👉Wann werden Ängste krankhaft? Normale Sorgen oder Angststörung?


„Ich kann meine Gedanken einfach nicht abschalten“

Dieser Satz beschreibt das Erleben vieler Betroffener sehr gut.

Selbst in Situationen, die eigentlich der Erholung dienen sollten, arbeitet der Kopf weiter.

Beim Abendessen.

Im Urlaub.

Beim Einschlafen.

Während eines Gesprächs.

Immer wieder entstehen neue Gedanken:

„Aber was wäre, wenn …?“

Das Gedankenkarussell scheint kaum zur Ruhe zu kommen.


Die Sorgen betreffen oft viele Lebensbereiche

Anders als bei manchen spezifischen Ängsten richtet sich die generalisierte Angst nicht unbedingt auf eine einzelne Situation.

Die Sorgen können beispielsweise betreffen:

  • die eigene Gesundheit,
  • die Gesundheit von Angehörigen,
  • Kinder und Familie,
  • den Arbeitsplatz,
  • finanzielle Probleme,
  • Beziehungen,
  • mögliche Unfälle,
  • die Zukunft.

Oft wissen Betroffene selbst, dass ihre Sorgen übermäßig sind.

Trotzdem gelingt es ihnen nicht, sie einfach abzustellen.


Die ständige Suche nach Sicherheit

Viele Menschen versuchen, ihre Sorgen durch Kontrolle zu reduzieren.

Sie informieren sich immer wieder.

Sie überprüfen Dinge mehrfach.

Sie fragen Angehörige:

„Glaubst du wirklich, dass alles in Ordnung ist?“

Diese Rückversicherung kann kurzfristig beruhigen.

Doch häufig hält die Erleichterung nicht lange an.

Schon bald entsteht der nächste Zweifel.

So kann sich ein Kreislauf aus Sorge, Kontrolle, kurzer Beruhigung und neuer Sorge entwickeln.


Auch der Körper befindet sich ständig in Alarmbereitschaft

Dauernde Sorgen bleiben nicht nur im Kopf.

Wenn unser Gehirn ständig mögliche Gefahren erwartet, reagiert auch der Körper.

Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:

  • innere Unruhe,
  • Muskelverspannungen,
  • Schlafprobleme,
  • Panikattacken,
  • Konzentrationsschwierigkeiten,
  • Reizbarkeit,
  • Herzklopfen,
  • Magen-Darm-Beschwerden,
  • Erschöpfung.

Manche Menschen suchen deshalb zunächst nach einer körperlichen Ursache ihrer Beschwerden. Körperliche Symptome sollten auch entsprechend medizinisch abgeklärt werden.


Ständige Sorgen können sehr erschöpfend sein

Wer gedanklich ständig mögliche Gefahren durchspielt, verbraucht viel Energie.

Das kann dazu führen, dass sich Betroffene zunehmend erschöpft fühlen.

Hier gibt es durchaus Überschneidungen zu anderen psychischen Belastungen wie Burnout oder Depressionen.

Deshalb ist es wichtig, nicht vorschnell selbst eine Diagnose zu stellen, sondern die individuelle Situation fachlich abklären zu lassen.

👉Burnout oder Depression – wo liegt der Unterschied?


Warum kann ich nicht einfach aufhören, mir Sorgen zu machen?

Gut gemeinte Ratschläge lauten häufig:

„Denk nicht so viel darüber nach.“

„Mach dir keine Sorgen.“

„Es wird schon nichts passieren.“

Doch wer unter starken Ängsten leidet, kann diese nicht einfach per Willenskraft ausschalten.

Hinter den Sorgen können unterschiedliche Erfahrungen, innere Konflikte und psychische Mechanismen stehen.

In einer Psychotherapie in Wien kann es deshalb darum gehen, nicht nur einzelne Sorgen zu beruhigen, sondern besser zu verstehen:

Warum fällt es mir so schwer, Unsicherheit auszuhalten?


Der Wunsch nach hundertprozentiger Sicherheit

Ein wesentlicher Bestandteil vieler Ängste ist der Wunsch nach Gewissheit.

Doch absolute Sicherheit gibt es im Leben nicht.

Wir können nicht vollständig kontrollieren,

  • ob wir gesund bleiben,
  • wie sich eine Beziehung entwickelt,
  • was beruflich geschieht,
  • oder was die Zukunft bringt.

Für Menschen mit ausgeprägten Ängsten kann genau diese Unsicherheit besonders schwer auszuhalten sein.

Die Gedanken versuchen deshalb immer wieder, mögliche Gefahren vorherzusehen und zu kontrollieren.

Paradoxerweise entsteht dadurch häufig noch mehr Angst.

👉 siehe auch die Seite „Angststörungen


Wenn Sorgen den Alltag bestimmen

Entscheidend ist nicht, ob jemand gelegentlich viel nachdenkt.

Aufmerksam sollte man werden, wenn Sorgen über längere Zeit einen erheblichen Teil des Alltags einnehmen.

Zum Beispiel wenn:

  • Abschalten kaum noch möglich ist,
  • der Schlaf darunter leidet,
  • ständig Rückversicherung benötigt wird,
  • Konzentration und Leistungsfähigkeit nachlassen,
  • Freizeit kaum noch genossen werden kann,
  • die Sorgen Beziehungen oder Beruf beeinträchtigen.

Dann kann es sinnvoll sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

👉 siehe auch „Warum vermeiden wir bestimmte Situationen? – Wenn Angst den Alltag bestimmt


Wie kann Psychotherapie helfen?

Psychotherapie kann einen geschützten Rahmen bieten, um Ängste und Sorgen genauer zu betrachten.

Dabei kann gemeinsam untersucht werden:

  • Wann treten die Sorgen besonders stark auf?
  • Welche Situationen lösen sie aus?
  • Welche Gedanken wiederholen sich?
  • Welche persönlichen Erfahrungen könnten eine Rolle spielen?
  • Welche Bedeutung haben Kontrolle und Sicherheit?
  • Welche Verhaltensweisen halten die Angst möglicherweise aufrecht?

Das Ziel besteht nicht darin, sämtliche Sorgen aus dem Leben zu verbannen.

Das wäre weder möglich noch sinnvoll.

Vielmehr kann es darum gehen, einen anderen Umgang mit Unsicherheit und Angst zu entwickeln.


Nicht jeder Gedanke muss zu Ende gedacht werden

Menschen mit starken Sorgen versuchen häufig, jedes mögliche Problem gedanklich zu lösen.

Doch manche Fragen haben keine sichere Antwort.

„Was passiert in fünf Jahren?“

„Kann ich garantieren, dass niemand krank wird?“

„Kann ich sicher sein, dass nichts schiefgeht?“

Wer versucht, auf solche Fragen absolute Gewissheit zu finden, gerät leicht in ein endloses Gedankenkarussell.

Ein möglicher Schritt kann deshalb darin bestehen, Unsicherheit zunehmend auszuhalten, ohne jedes denkbare Szenario kontrollieren zu müssen.


Wieder mehr Raum für das Leben schaffen

Angst und Sorgen können so viel Aufmerksamkeit beanspruchen, dass für anderes kaum noch Platz bleibt.

Für Freude.

Für Beziehungen.

Für Erholung.

Für Spontaneität.

Psychotherapeutische Unterstützung kann dabei helfen, den Sorgen nach und nach weniger Raum zu geben.

Nicht indem alle Unsicherheiten verschwinden.

Sondern indem sie nicht mehr den gesamten Alltag bestimmen.


Fazit

Sorgen gehören zum menschlichen Leben.

Wenn sie jedoch kaum noch kontrollierbar erscheinen, ständig von einem Thema zum nächsten wandern und den Alltag zunehmend bestimmen, kann eine generalisierte Angststörung dahinterstehen.

Betroffene müssen ihre Sorgen nicht einfach „abstellen“ können.

Ich als Ihre Psychotherapeuten in Wien kann Ihnen dabei helfen, die zugrunde liegenden Ängste und inneren Mechanismen besser zu verstehen und einen neuen Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln.

Das Ziel ist nicht ein Leben ohne Sorgen.

Sondern ein Leben, in dem Sorgen wieder einen angemessenen Platz einnehmen – statt alles andere zu bestimmen.


Häufige Fragen

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Dabei handelt es sich um eine Angststörung, bei der übermäßige und schwer kontrollierbare Sorgen verschiedene Lebensbereiche betreffen und über längere Zeit bestehen.

Ist viel Nachdenken bereits eine Angststörung?

Nein. Sorgen und Grübeln gehören zum Leben. Entscheidend sind unter anderem Dauer, Intensität und die Beeinträchtigung des Alltags.

Welche körperlichen Symptome können auftreten?

Unter anderem können innere Unruhe, Verspannungen, Schlafprobleme, Konzentrationsprobleme oder Herzklopfen auftreten. Körperliche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

Warum brauche ich ständig Bestätigung, dass alles in Ordnung ist?

Rückversicherung kann Angst kurzfristig reduzieren. Hält die Beruhigung jedoch nur kurz an und wird immer wieder neue Bestätigung benötigt, kann daraus ein belastender Kreislauf entstehen.

Kann Psychotherapie bei ständigen Sorgen helfen?

Ja. Psychotherapie kann dabei helfen, die Ursachen und Mechanismen hinter den Sorgen besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Angst und Unsicherheit zu entwickeln.


Illustration: © Marsyal, Adobe Stock

Generalisierte Angststörung – wenn die Sorgen nicht mehr aufhören